Abfallvermeidung statt Recycling

Berge von Elektroschrott
Die immer knapper werdenden Ressourcen machen deutlich, dass Abfallvermeidung vor Recycling kommen muss, auch wenn damit Gewinne wegfallen. Dies wird besonders bei Elektrogeräten sichtbar. Die Produkte fast aller Hersteller funktionieren inzwischen kaum länger als die Garantiezeit und die Reparaturkosten erreichen fast den Neupreis. Diese absichtliche Verkürzung der Lebensdauer, geplante Obsoleszenz genannt, begann bereits in der Weltwirtschaftskrise, beispielsweise bei Glühbirnen. Heute betrifft sie nachweislich so gut wie alle Produkte, etwa durch Zähler bei Druckern oder minderwertige Kondensatoren bei Fernsehgeräten. Eingebaute Akkus sind inzwischen ebenfalls weit verbreitet, sodass der Präsident des Umweltbundesamtes anmahnt, diese Praxis zu verbieten und insgesamt recycelfreundliche Geräte zu bauen. Hinzu kommt, dass der Elektroschrott oft nicht sachgerecht wiederverwertet, sondern tonnenweise nach Afrika exportiert wird – getarnt als Gebrauchtwaren. Dort holen Menschen aus den Slums ungeschützt die wertvollen, häufig hochgiftigen Materialien heraus und verkaufen sie für ein paar Cent.

Widerstand formiert sich
Stefan Schridde hat eine Petition gegen nicht austauschbare Akkus gestartet und veröffentlicht auf der Webseite „Murks? Nein danke!“ vorzeitig defekte Produkte. Überall bilden sich Netzwerke, offene Reparaturwerkstätten entstehen und Reparaturanleitungen kursieren im Internet. Solche Initiativen wie „ifixit“ werden jedoch von den Herstellerfirmen nicht gern gesehen. Ein Webseitenbetreiber, der originale Baupläne veröffentlicht hatte, wurde gezwungen, sie aus dem Netz zu nehmen, doch die Mitglieder schreiben nun ihre eigenen Handbücher.

Kreativer Umgang mit Abfallmaterialien
Besonders die Handwerks- und Designbranche verarbeitet zunehmend Abfallmaterialien. Bei diesem Upcycling werden etwa Holzpaletten und Türen zu Möbeln oder Besteck zu Dekorationsobjekten. Die Remidas, ein pädagogisches Konzept aus Italien, sammelt ungiftige Abfallmaterialien aus Industrie, Handel und Gewerbe und stellt sie Kindergärten und Schulen zur Verfügung. Die Kinder und Jugendlichen entdecken Verpackungen, Musterbücher, Folien und viele andere Dinge als interessantes Ausgangsmaterial zum Spielen und Basteln.

Netzwerke und neue Konzepte
Durch Gebrauchtkaufhäuser, Umsonstläden und Online-Tauschbörsen werden brauchbare Gegenstände der weiteren Verwendung zugeführt. Neben dem bekannten Carsharing bilden sich Kreise, in denen Geräte geteilt werden.
Das Cradle-to-cradle-Prinzip von Michael Braungart und William McDonough dagegen setzt konsequent auf Abfallvermeidung. Die bereits in Kalifornien und China angewendete Methode hält die verwendeten Materialien in einem geschlossenen Kreislauf.

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