“Der klassische Naturkosteinzelhandel gerät tatsächlich unter Druck”

oekoblogger.de hat mit Felix Löwenstein, dem Vorstandsvorsitzenden des ‘Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft e.V.’ über seine Arbeit und die Situation der Ökologischen Lebensmittelwirtschaft in Deutschland gesprochen:

Marko Radloff: Herr Prinz zu Löwenstein, Sie sind Vorstandsvorsitzender des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft e.V. Können Sie unseren Leserinnen und Lesern den Verein und seine Ziele kurz vorstellen? Und, wer macht mit beim BÖLW?

Felix Löwenstein: Im BÖLW haben sich die Verbände der landwirtschaftlichen Erzeuger, der Verarbeiter und der Händler ökologischer Lebensmittel zusammenschlossen, um gemeinsam auf möglichst gute Rahmenbedingungen für die Ökologischen Lebensmittelwirtschaft hinzuwirken.
Mitglieder sind:

Als Erzeugerverbände: Bioland, Biopark, Demeter, Ecoland, GÄA, Naturland
Als Herstellerverband: Association Oekologischer Lebensmittelhersteller (AOEL)
Als Handelsverbände: Bundesverband Naturkost Naturwaren BNN (Herstellung und Handel), Verband der Reformwarenhäuser, Verband der Bio-Supermärkte

Marko Radloff: Wie müssen wir uns Ihren Arbeitsaltag als Vorstandsvorsitzenden des BÖLW vorstellen? Sind Sie als Gesprächspartner heute gefragter als noch vor einem Jahr?

Felix Löwenstein: Ich bin als Landwirt hauptberuflich auf meinem eigenen Betrieb tätig – im BÖLW Vorstand arbeite ich ehrenamtlich. Trotzdem verlangt diese Tätigkeit einen erheblichen Zeitaufwand, der vor allem aus Telefonaten, Korrespondenz, Lesen von Informationen oder Verfassen schriftlicher Äußerungen besteht. Dazu kommen Anhörungen im Bundestag, Vorträge auf Tagungen, Treffen unserer Gremien. Das Interesse der Medien ist in der Tat stetig gewachsen – verläuft aber durchaus in Wellen.

Marko Radloff: Im ‘Agrarbericht der Bundesregierung 2007’ ist von 310 untersuchten Öko-Betrieben die Rede, halten Sie diese Zahl für repräsentativ? Wie hoch ist die Gesamtzahl der Betriebe in der ökologischen Landwirtschaft gegenwärtig in Deutschland?

Felix Löwenstein: Im statistischen Sinne mag sie repräsentativ sein – aber über den einzelnen Betrieb sagt auch eine viel größere Stichprobe aus den insgesamt ca 17.000 Biobauern nichts aus. Deren Situation ist je nach Größe, Produktionsform oder Standort höchst unterschiedlich.

Marko Radloff: Gibt es Regionen in Deutschland in denen ökologische Landwirtschaft auf größere Aktzeptanz stößt als in anderen Regionen? Gibt es einen Unterschied zwischen Ost und West?

Felix Löwenstein: Es gibt große Unterschiede. Die meisten Biobauern gibt es in Bayern, den größten Anteil an Biofläche hat Mecklenburg-Vorpommern. Das hängt mit vielem zusammen: Standortvoraussetzungen, Mentalität – aber auch mit Agrarpolitik!

Marko Radloff: Bei SPIEGEL ONLINE war kürzlich von einem ‘Grünen Wirtschaftswunder‘ zu lesen und gemeint waren damit in erster Linie Solar- und Windkraftunternehmen. Halten Sie es für möglich, das ein ähnlicher Boom auch die ökologische Lebensmittelwirtschaft erfasst?

Felix Löwenstein: Eigentlich ist das bereits passiert. Ein stetiges Wachstum im zweistelligen Bereich – und das, obwohl die Lebensmittelbranche ansonsten schrumpft: das ist schon beachtlich.

Marko Radloff: Am Schluss unsere Frage zur Zukunft der Bio-Läden: In stärkerem Umfang als bisher entdecken die großen Supermarktketten das Potential, das in Bio-Produkten steckt. Bedeutet dies das Ende des altbekannten Bioladens um die Ecke?

Felix Löwenstein: Der klassische Naturkosteinzelhandel gerät tatsächlich unter Druck – ebenso, wie die bäuerlichen Direktvermarkter. Auf größeren Flächen und besonders bei den filialisierten Bio-Supermärkten gibt es auch weiterhin eine Chance für den Fachhandel. Sie besteht in Sortimentsvielfalt, Beratungskompetenz und direkteren Beziehungen zu den bäuerlichen Erzeugern – da kann der Discounter nicht mithalten.

1 Comment

  • Zocher says:

    Immer wieder werden in den Supermärkten die Taschen zu Unrecht kontrolliert, ohne jegliche Erlaubnis. Der Einzelhandel soll das nicht, um in die Privatsphäre des Kunden nicht einzugreifen. Die Tatsachen werden von ihnen verdreht, weil der Kunde meist diesen Konzernen sowieso schon ausgeliefert ist, das ist Teil eines unfairen Handels, der Armut ausbeutet auch hier in Europa Vermögenden hilft. Die Läden sind ja bereits schon mit Kameras überwacht, deshalb ist eine zusätzliche Kontrolle der Tasche überflüssig. Schade, dass sie nicht mehr Vertrauen haben zur Kundschaft, und einige Leute von ihnen zu Unrecht angegriffen werden.

    Weitere Tricks:
    Im Laden wird ein günstigerer Preis von ihnen selbst ausgeschildert z.B. als angebliches Sonderangebot. An der Kasse aber wird oft der Original Preis versucht abzurechnen. Hinter einem eine lange Schlange, so dass es natürlich schwer fällt das überhaupt anzusprechen, oder man hat keine Zeit und ist in Eile. Besser ist auch immer man hat den Betrag passend, weil sonst stimmt es vielleicht nicht. Ware muss man auch noch nach prüfen, weil sonst fehlt was.

Leave a Comment