Deutscher Bauernverband will die Nachhaltigkeit der Wirtschaftlichkeit unterordnen

Der deutsche Bauernverband hat sich in einem offenen Brief an Bundesverbrauchschutzministerin Ilse Aigner gewandt und gefordert, die deutschen Agrarproduzenten bei ihrem Versuch, auf dem Weltmarkt zu bestehen, zu unterstützen. Denn „in Deutschland [seien] […] täglich etwa 5 Millionen Menschen mit der Herstellung und dem Vertrieb von Nahrungsmitteln und nachwachsenden Rohstoffen beschäftigt“, so die Interessenorganisation.

Den Bauern sind vor allem zu hohe Ansprüche an Umwelt- und Tierschutz ein Dorn im Auge. „Wir müssen […] darauf bestehen, dass [diese] Forderungen mit den Realitäten in offenen Märkten abgeglichen werden“, so der offene Brief, der diesen Worten allerdings ein Bekenntnis zu verantwortungsvollem Wirtschaften voranstellt: „Wir Landwirte fühlen uns der Nachhaltigkeit besonders verpflichtet.“

Es seien die Entscheidungen der Politik gewesen, die auf diesen Weg geführt hätten: „In den letzten zwanzig Jahren wurde die EU-Agrarpolitik […] Reformen unterzogen, […] vor allem um die Landwirtschaft „WTO-kompatibel” zu machen. Der Deutsche Bauernverband […] ist diesen Weg der Marktorientierung mitgegangen.“

Trotzdem habe man sich stets bemüht, Umweltschutz und Nachhaltigkeit gebührend zu berücksichtigen, aber Landwirtschaft habe auch eine soziale Dimension, denn es sei wichtig, dass Nahrungsmittel günstig zu erwerben seien. Die finale Frage der Bauern lautet: „Sollen die deutschen Landwirte […] für eine kaufkräftige Elite produzieren oder für alle Bürgerinnen und Bürger?“

Der offene Brief stieß im politischen Berlin auf unterschiedliche Reaktionen. Während sich im Regierungslager verschiedene Stimmen durchaus wohlwollend zeigten, übten die Grünen scharfe Kritik. Friedrich Ostendorff, der Sprecher für Agrarpolitik erklärte: „Der offene Brief von Herrn Sonnleitner zeugt jedoch nicht von einem geschärften Realitätssinn des Bauernverbandes. Die Sorgen der Menschen vor einer immer stärker industriell geprägten Landwirtschaft werden als unbegründete “Wahrnehmungen” abgetan. […] So kann man keine zukunftsweisende Debatte führen.“

Quelle: http://www.bauernverband.de/?redid=152813&mid=400340

Categories: Oeko und Agrar

2 Comments

  • Marie says:

    Interessanter Bericht. Klar ist, dass die Milch für 40 Cent den halben Liter wohl kaum besonders nachhaltig produziert werden konnte. Leider sind nur wenige Menschen bereit, für Nachhaltigkeit und Umweltschutz mehr zu bezahlen, bzw. ist es vielen Menschen auch gar nicht möglich.

  • Michi says:

    Unbegründete Wahrnehmung? Wem die Nachhaltigkeit wirklich so wichtig ist, der sollte danach handeln.
    Die Bauern sollte lieber mal drauf schauen, dass sie sich mit ihren gigantischen Monokulturen, Pestizid- und Gifteinsatz nicht selbst ruinieren. Die Ansprüche der Umwelt- und Tierschutzorganisationen sind in meinen Augen sogar noch zu niedrig. Ich bin immer wieder fassungslos wenn ich solche Berichte lese und merke, es ändert sich nichts weil solche ewig gestrigen einfach nicht umdenken wollen.

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