Energie vom Dach: ‘Wahrscheinlich wird im Süden mehr darüber geredet …’

In der Solarbundesliga wetteifern Städte und Gemeinden um die Deutsche Meisterschaft. Es zählt welche Fläche thermischer Solarkollektoren und welche Leistung an Photovoltaikanlagen pro Einwohner im jeweiligen Ort installiert sind. Veranstalter der Solarbundesliga sind die Fachzeitschrift Solarthemen und die Deutsche Umwelthilfe e.V.. Die Ökoblogger-Redaktion sprach mit Solarthemen Herausgeber Guido Bröer über Geschichte und Zukunft des Solarsports.

Marko Radloff: Worum geht es in der Solarbundesliga?

Guido Bröer: Wir bieten eine Arena an, in der die Verbreitung der Solarenergie zur Sportart wird. Es zählt, wieviel Solarkollektorfläche und Solarstromleistung pro Einwohner auf den Dächern einer Kommune installiert ist. Mit dem Wettbewerb lassen sich Leute für Solarenergie interessieren, im Idealfall auch motivieren, und die vielen Lokalzeitungen im Lande haben einen Anlass regelmäßig über Solartechnik zu schreiben. Jeder Solaranlagenbesitzer wird zum Lokalmatador.

Marko Radloff: Die Solarbundesliga gibt es schon seit Mai 2001. Schildern Sie uns bitte kurz wie es dazu kam.

Guido Bröer: Eine heimliche Hitliste der aktivsten Solarkommunen gab es sogar schon etwas länger. 1996 oder 1997 hatten wir als Redaktion der Fachzeitschrift Solarthemen über eine Solarinitiative im norddeutschen Städtchen Sulingen berichtet. Dabei haben wir spaßeshalber mal ausgerechnet, wieviel Quadratzentimeter Solaranlagen auf jeden Einwohner von Sulingen entfallen. Wenn es überall in Deutschland soviele Solaranlage gegeben hätte, wie in dieser ganz normalen Kleinstadt in der norddeutschen Provinz, dann hätte der deutsche Solarmarkt schon um ein zig-faches größer sein müssen als er damals tatsächlich war. Danach haben wir einen Aufruf gestartet, wer es mit den Sulingern aufnehmen könne. Tatsächlich meldete sich ein Dorf in Süddeutschland, das besser war. Aber danach ist die Sache ist wieder eingeschlafen. Erst als Anfang 2001 auf einer Messe ein paar Solarfreaks aus einem schwäbischen Dorf uns fragten, wie gut sie eigentlich im Vergleich zu anderen seien, hat es bei uns “klick” gemacht. Wir haben dem Kind einen Namen gegeben. Dann haben wir ein Dutzend Solaraktivisten in verschiedenen Städten und Gemeinden angerufen. Aus deren Installationszahlen haben wir die erste offizielle Tabelle der Solarbundesliga gemacht und sie in den Solarthemen veröffentlicht. Dann haben wir verkündet, dass wir knapp zwei Monate später auf der Messe Intersolar in Freiburg den Deutschen Meister küren würden. Damit wurde die Sache zum Selbstläufer. Bis zur ersten Meisterfeier 2001 hatten wir 71 Kommunen im Teilnehmerfeld und mit der Deutschen Umwelthilfe einen bekannten Umweltverband als engagierten Mitstreiter im Boot.

Marko Radloff: Sechs Jahre ist für so ein Projekt eine verhältnismäßig lange Zeit. Was hat sich im Laufe der Jahre für Sie und für Ihre Mitarbeiter geändert?

Guido Bröer: Anfangs haben wir noch jeden gekannt, der bei der Solarbundesliga mitgemacht hat. Bei inzwischen über 1000 Kommunen geht das nicht mehr so ganz. Aber der Kontakt zu den Aktivisten und Initiativen vor Ort ist immer noch sehr eng. Die Solarbundesliga ist keine Kampagne, mit der wir das Land missionieren wollen, sondern sie lebt in den Städten und vor allem auch in den Dörfern. Die Solarbundesliga ist ein Werkzeug mit dem die Leute vor Ort arbeiten. Das meiste von diesen Aktivitäten kriegen wir selbst gar nicht mehr mit, und das ist gut so.

Marko Radloff: Gibt es für die ‘Solarbundesliga’ Sponsoren? Wie haben Sie Ihr Projekt finanziert?

Guido Bröer: Am Anfang haben wir ja nur Zeit investiert, um eine gute Fortsetzungs-Geschichte in unserer Zeitschrift zu haben. Nun ja, Zeit ist auch Geld … Aber mit den Jahren ist der Aufwand, schon durch die große Teilnehmerzahl, enorm gestiegen. Man muss sich vorstellen: Über 1000 Kommunen melden regelmäßig neue Kollektorflächen, Photovoltaik-Leistungen und Einwohnerzahlen. Die müssen auf Glaubwürdigkeit geprüft werden, bevor sie im Internet aktualisiert werden. Aus ganz Solardeutschland wenden sich Leute mit Fragen an uns. Wir organisieren einen jährlichen Solarbundesliga-Kongress und die Meisterfeier, versorgen die lokalen Initiativen mit Infomaterial. Jede Kommune bekommt pro Jahr eine Urkunde. Das Alles ist so nebenbei natürlich nicht mehr zu schaffen. Zur Zeit läuft für drei Jahre eine Förderung durch das Bundesumweltministerium, die im vorigen Jahr unter anderem das Relaunch der Internetseite ermöglicht hat. Auch eine Reihe von Sponsoren aus der Solarbranche ist mit im Boot, deren Zahl möglichst noch wachsen sollte, um die Zukunft der Solarbundesliga zu sichern.

Marko Radloff: Haben die gestiegenen Energiepreise Einfluss auf den Einsatz von Solaranlagen? Gibt es in den letzten Monaten eine spürbare Steigerung bei den Neuanmeldungen?

Guido Bröer: Als Solarsportjounalist könnte ich jetzt natürlich schnell mal den Computer befragen, welche exakte Korrellation zwischen dem Preis für das Barrel Öl und der Zahl von Neuanmeldungen in der Solarbundesliga besteht, so wie meine Kollegen beim Fußball heutzutage für jeden Bundesligaclub sagen können, wie sich das Verhältnis der von links getreten Ecken zu Kompfballtoren bei Auswärtsspielen seit der letzten Uefa-Cub-Teilnahme entwickelt hat. Ich muss aber leider passen. Es gibt jedenfalls laufend Neuanmeldungen in der Liga. Allein seit der letztjährigen Meisterschaft waren es rund 150 Kommunen plus 100 Ortsteile. Und ja, die Verbindung zwischen der Zahl verkaufter Solaranlagen und Energiepreisen besteht, vor allem bei der Solarwärme. Allerdings ist die tatsächliche Höhe der Ölpreise nach meinem Eindruck weniger entscheidend als die jeweils aktuelle öffentliche Aufmerksamkeit für das Thema Ölpreis.

Marko Radloff: In Ihrer Liga werden zwei ‘Solarsportarten’ ausgewertet: Solarwärme und Solarstrom. Solarstrom kennen alle: Was kann man dagegen heute mit Solarwärme erreichen?

Guido Bröer: Auf einem Quadratmeter Dachfläche kann man mit einer Solarwärmeanlage hierzulande ein Vielfaches an Kilowattstunden ernten wie mit Solarstrom. Der größte Teil des Energieverbrauchs eines typischen Haushalts entfällt auf Raumwärme und Trinkwassererwärmung. Mit einer anspruchsvoll dimensionierten Solarwärmeanlage lässt sich davon selbst im sanierten Altbau ein Drittel und mehr sparen. Einige Solarhäuser schaffen heute schon 50, 70 oder gar 100 Prozent. Eine Solarwärmeanlage, die die Heizung unterstützt, gehört eigentlich auf jedes Dach. Und wer sein Dach lieber erst mit Photovoltaik-Modulen eindeckt, der sollte etwas Platz lassen, um später eine Solarwärmeanlage ergänzen zu können. Das heißt nicht, dass Photovoltaik weniger sinnvoll wäre. Sie ersetzt Strom, der heute mit ganz schlechtem Wirkungsgrad in großen Kohle und Atomkraftwerken produziert wird. Solarwärme und Solarstrom sind gleichermaßen bedeutend, wenn wir die Energiewende schaffen wollen. Darum gibt es in der Solarbundesliga seit dem letzten Jahr einen Bonus für alle Kommunen, die ein ausgewogenes Verhältnis von Solarwärme und Solarstrom erreichen.

Marko Radloff: Im Norden und im Osten Deutschlands wenig, im Süden dagegen viele Einträge auf der Solarbundesligakarte. Wie erklären Sie sich dieses Gefälle?

Guido Bröer: Jedenfalls nur zum geringeren Teil damit, dass im Norden etwas weniger Sonne scheint. Das ist wohl eher eine Mentalitätsfrage. Eine Grundthese der Solarbundesliga: Solarenergie verbreitet sich überall dort schneller, wo die Leute miteinander darüber reden, was der Nachbar denn da auf dem Dach hat. Wahrscheinlich wird im Süden einfach mehr gequatscht. Aber im Ernst – es ist kein Zufall, dass in der Solarbundesliga die kleinen Dörfer ganz oben stehen. Hier gibt es Kommunikationsstrukturen, in denen schnell ein ganzer Ort durch Mund-zu-Mund-Propaganda von der Solartechnik überzeugt werden kann. Das ist eine wesentliche Erkenntnis, die wir von Anfang an mit der Solarbundesliga zeigen wollten. Das in der Solarbundesliga mehr Teilnehmer aus dem Süden kommen, hat indirekt damit zu tun: In Bayern und Baden-Württemberg hat die Gebietsreform nicht so gründlich zugeschlagen wie im Norden der Republik – hier gibt es einfach noch viel mehr kleine selbstständige Gemeinden. Übrigens leben in Nordrhein-Westfalen ebenso viele Einwohner in Solarbundesliga-Kommunen wie in Bayern.

Marko Radloff: Hat das Projekt Solarbundesliga eine Zukunft. Wann gibt es den nächsten richtigen Relaunch und was wird er bringen?

Guido Bröer: Die Solarbundesliga hat sich erledigt, wenn Deutschland zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien versorgt ist. Ich hoffe natürlich, dass das so schnell wie möglich sein wird. Aber im Moment steigt die Nachfrage aus den Kommunen an der Solarbundesliga immer noch weiter an. Zur Zeit brauchen wir keinen Relaunch. Die Liga entwickelt sich auch so ständig weiter, sie lebt vor Ort. Die Strukturen haben wir jüngst geschaffen für eine stärkere Regionalisierung. Interessierte Kooperationspartner können nun innerhalb der Solarbundesliga eine eigene Kreis- oder Landeswertung ausrichten. Einzelne Beispiele gibt es schon. Für die Solarsportler vor Ort zählt der Triumph über die Nachbarstadt nämlich oft viel mehr als der absolute Platz in unserem bundesweiten Ranking.

Unser – etwas verspäteter – Beitrag zum Blog-Karneval zur Woche der Sonne.

15 Comments

  • […] Überraschenderweise gab es heute noch einen verspäteten Beitrag zum Blog-Karneval zur Woche der Sonne. Der Ökoblogger hat sich mit Solarthemen Herausgeber Guido Broer über den Solarsport unterhalten. Mit Solarsport ist die Solarbundesliga gemeint, die Städte und Gemeinden anregt gegeneinander in einen Wettkampf um die Solarkollektorfläche und Solarstromleistung pro Einwohner. […]

  • […] Solarbundesliga: “Jeder Solaranlagenbesitzer wird zum Lokalmatador”, sagt Guido Bröer und meint damit die Solarsportler in Deutschland. Ihr Sport ist die Solarbundesliga und in ihr wetteifern Städte und Gemeinden um die Deutsche Meisterschaft. Es zählt welche Fläche thermischer Solarkollektoren und welche Leistung an Photovoltaikanlagen pro Einwohner im jeweiligen Ort installiert sind. Jetzt sprach die Ökoblogger-Redaktion Solarthemen Herausgeber Guido Bröer über Geschichte und Zukunft des Solarsports. Das Interview gibt es auf der Seite http://www.oekoblogger.de/?p=152. […]

  • […] Energie vom Dach: ‘Wahrscheinlich wird im Süden mehr darüber geredet …’: in der Solarbundesliga wird mit Kollektorfläche gekämpft. Ein Interview. [mehr] […]

  • Barbara says:

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    deine
    Barbara

  • Laie mit großem Interesse says:

    So diente die Inquisition der vorsorglichen und nachhaltigen Beseitigung Andersdenkender. Die Indianer in Nordamerika wurden vorsorglich und nachhaltig aus ihren angestammten Regionen mit brutaler Gewalt vertrieben. Die Überlebenden wurden nachhaltig in bewachte „Reservate“ gesperrt.
    Hört mir auf mit diesem nachhaltigkeitsscheiss!
    Die Kommunisten trieben aus lauter Vorsorge Millionen von vermeintlich unbotmäßigen Menschen nachhaltig nach Sibirien in Lager und in den Tod. Die braunen Weltbeglücker setzten dem ganzen dann unter dem Mantel eines nationalen Sozialismus noch die Krone auf. Sie wollten es eben nachhaltiger als die Anderen machen.

  • Sabine says:

    An den Laien mit dem großen Interesse

    Nachhaltigkeit = Nationalsozialismus?
    Du hast wohl den Schuss nicht gehört! Müssen derartige Beiträge wirklich sein?

  • Laie mit großem Interesse says:

    Sabine

    Ich wollte doch nur in bester Absicht vor derartigen Entwicklungen warnen! Ist denn das verboten?

    Ich wollte darauf aufmerksam machen, dass uns die Klimaschutz- und Nachhhaltigkeitsapostel schneller als uns lieb ist dahin bringen können, wo wir vor 60 Jahren schon einmal waren. Damals endete das im Massenmord. Wenn wir nicht aufpassen, haben wir bald die Klimaschutzblockwarte, die ihre klimasündigen Eltern verpfeifen.

  • Sabine says:

    Laie mit dem großen Interesse

    Du weisst nicht was Du da für einen Unsinn redest. Mir wird übel, wenn ich so etwas lese!

    Ich weiss: Frau Bundeskanzlerin Merkel treibt die Deutschen in den Massenmord, wenn sie von Klimaschutz spricht!

    Werden solche Theorien in Klimaskeptikerkreisen verbreitet? Würde mich nicht wundern!

    Admin: Kann man solche Beiträge nicht löschen?

  • Laie mit großem Interesse says:

    @ Sabine

    Offenbar weisst Du noch nicht wohin die Reise geht!

    Klimaschützer ziehen schon heute umher und brennen Autos und Wohnhäuser nieder:

    http://klimakatastrophe.wordpress.com/2008/03/04/etzt-ist-es-soweit-okoterroristen-brennen-neubauwohnsiedlung-in-den-usa-nieder/

    http://klimakatastrophe.wordpress.com/2008/03/04/klimaterror-brennende-autos-%e2%80%a6-auszuge-aus-der-tagespresse/

    http://www.brennende-autos.de/

    http://www.earthliberationfront.com/elf_news.htm

    Ich sage dazu nur: Wehret den Anfängen! Wenn Klimaschützer heute bandstiftend unterwegs sind, dann machen sie morgen noch ganz andere Dinge.

    Schon heute fordern Klimaschützer für uns skeptischen Menschen Verfahren nach dem Muster der “Nürnberger Prozesse”:

    http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/spotlight/gleichschaltung_des_wissens/

    Ich sehe schon Sabine, Du verharmlost und leugnest diese Entwicklung! Wenn wir HEUTE nicht aufpassen befinden wir uns morgen wieder da, wo wir von 1933 bis 1945 waren!
    Man sollte daher schon heute mit aller Härte gegen diese Klimaschützer vorgehen. Diese schädigen mit ihren Klimalügen schon heute die Zukunft unseres Landes und führen uns geradewegs in die Ökodiktatur!

  • Joachim says:

    Die nutzung von erneuerbaren Energiequellen wie z.B. Solarenergie ist enorm wichtig. Denn allein in Deutschland werden täglich nur durch den Standby-Modus von elektrischen Geräten wie Fernsehern oder Computern riesige Mengen an CO2 in die Atmosphäre geschleudert – Kosten auf das Jahr verteilt für die Verbraucher: über 5 Milliarden Euro!

    Mehr zu diesem Thema können sie gern auf dem TopTarif Blog nachlesen.

    Viele Grüße,
    Joachim

  • Chriss says:

    Ein sehr interessantes Interview zu dem Thema “Solarbundesliga”. Was auch immer getan werden muss, solange ein Wettbewerb dahinter steht wird die Sache an sich noch spannender. Es bleibt Gutes zu hoffen…

  • Volker says:

    Hi. Egal wie Pro und Contra hier diskutiert wird, wichtig ist doch, dass sich etwas im Bewusstsein ändert. Ich selbst habe jetzt einen Rußpartikelfilter und fahre 3 von 5 Tagen mit Bus und Bahn zur Arbeit. Wer noch mehr tun will, den lade ich auf meinen “grünen” AktionsBlog spleenpiece.com ein. Aloha, Volker!

  • Axel F. says:

    Hallo !
    Jeder muß selbst wissen was er tut. Ich z.Bsp. mache nicht riesig viel, aber auch kleine Sachen helfen unserer Natur. Beruflich bin ich auf das Auto angewiesen und fahre einen Diesel.(NOCH) Da der Dieselpreis aber fast genauso hoch ist wie Benzin, werde ich für das nächste Auto einen alternativen Antrieb haben. Gas, vieleicht kombiniert mit Batteribetriebenen Zellen oder Solar- wenn es das in Perfektion geben sollte.
    Na, ja ; zumindest bin ich der Meinung das jeder seinen Beitrag zu einer besseren Umwelt leisten kann.
    Gruß Axel

  • Kerstin says:

    Hi !
    @ Axel
    Man kann anderen aber auch sagen was Sie falsch machen.
    Wir leisten auch einen kleinen Beitrag. Wir verwenden z.B. unsere Versandkartonagen mehrfach. Selbst die Kartons mit Ware die wir bekommen wird per Hand in Form geschnitten und der anfallende Abschnitt wird zu Polsterung verwendet. Das ist das mindeste was wir tun können.
    Kerstin

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