Fünf Jahre Uferrenaturierung am Rhein

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  • 7 December, 2007
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Mainz – Welchen Spielraum hat naturnaher Flusslebensraum an Europas meist befahrener Binnenwasserstraße? Dieser Frage gehen mehr als 180 Teilnehmer auf der internationalen NABU-Fachtagung “Revitalisierung degradierter Ufer des Rheins” nach. An der Tagung nehmen Vertreter von Ministerien, Wirtschaft, Forschung, Behörden und Verbänden teil. Schirmherr der Veranstaltung ist Bundesumweltminister Sigmar Gabriel. In seiner Begrüßungsrede forderte NABU-Präsident Olaf Tschimpke die Politik zu mutigeren Schritten bei der Umsetzung der EG-Wasserrahmenrichtlinie auf. Diese sieht die Herstellung eines ökologisch guten Zustandes der Flüsse bis zum Jahr 2015 vor.

Das NABU-Projekt, “Lebendiger Rhein-Fluss der tausend Inseln“ geht nun nach fünf Jahren in die Abschlussphase. In 15 Modellprojekten zwischen Iffezheim in Baden-Württemberg und der niederländischer Grenze wurden mit Mauern oder Steinen befestigte Ufer wieder der natürlichen Gestaltung des Flusses übergeben. Mit einem Gesamtvolumen von knapp 1,1 Millionen Euro ist es ein großes Naturschutz-Förderprojekt der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Die Bilanz des NABU anlässlich der Abschlusstagung des Projektes fällt gemischt aus. Der Erfolg: Es konnten, gemeinsam mit vielen weiteren Akteuren über Ressortgrenzen hinweg Beispiele für ökologische Verbesserungen an Europas meistbefahrener Binnenwasserstraße geschaffen werden. Der Vergleich mit den aktuellen politischen und EU-rechtlichen Herausforderungen macht aber zugleich deutlich, dass weit mutigere Schritte müssen folgen, um den stark verbauten Rhein in einen ökologisch guten Zustand zu bringen.

Im Zentrum der NABU-Tagung steht nun die Frage, wie aus der am stärksten verbauten Binnenwasserstraße Europas, dem Rhein, wieder ein naturnaher Fluss mit einer Vielzahl vitaler Seitenarme werden kann. Diskutiert werden dabei die Ergebnisse und die Erfahrungen aus fünf Jahren Realisierung konkreter Maßnahmen im Spannungsfeld Wasserstraße, Naturschutz und Hochwasserschutz.

NABU-Präsident Olaf Tschimpke: *Der Rhein als Deutschlands größter Strom muss wieder ein lebendiger Fluss werden. Von einer naturnahen Gestaltung der Ufer- und Flussabschnitte profitieren nicht nur Tiere und Pflanzen sondern auch die Menschen. Mit seinem überregional bedeutsamen Modell-Projekt hat der NABU beispielhaft Lösungen für die Verbesserung der Strukturqualität des Lebensraumes Flusses gezeigt, ohne dass die Binnenschifffahrtsstraße beeinträchtigt wurde.“

Klaus Markgraf-Maué, Leiter des NABU-Projektes bei der NABU-Naturschutzstation e.V. in Kranenburg: *20 Jahre nach dem Sandoz-Unfall hat der Rhein wieder eine gute Wasserqualität. Aber wenn wir den Fokus auf die ökologisch relevanten Strukturen, die sandigen und kiesigen Uferpartien und Seitenarme richten, so liegt noch viel Arbeit vor uns.“

DBU-Kuratoriumsvorsitzender Hubert Weinzierl: *Mit dem NABU-Projekt wurden Beispiele dafür geschaffen, dass es durchaus möglich ist, dem Rhein als einen der massivst verbauten Ströme weltweit, Teile seiner Ufer und seiner Aue zurückzugeben. Trotz vermeintlich schwieriger Zuständigkeiten am Rhein zwischen Bundesländern, Wasserstraßenverwaltung, Kommunen, Naturschutzverbänden und UNESCO ist es gelungen, zu einer Win-Win Situation für alle Beteiligten zu kommen.“

Etwa 11.500 Kubikmeter Uferbefestigung ließ der NABU allein an Ober- und Mittelrhein abtragen., Strombauelemente wie Leitwerke ökologisch umgestalten. 2,4 Kilometer Ufer wurden revitalisiert. Für Rote-Liste Arten wie z.B. Flussregenpfeifer und Barbe wurde neuer Flusslebensraum geschaffen. Ein weiterer Kilometer Uferrückbau folgt noch in diesem Jahr. An Mittel- und Niederrhein sollen durchströmte Seitenarme dem Fluss in Zukunft ein Stück von seinem alten Gesicht wieder geben.

Die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium Astrid Klug und Dr. Fritz Holzwarth, Präsident der Internationalen Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR): Gerade solche Modellprojekte sind wichtiger Bestandteil des *Rheinprogramms 2020 und der Wasserrahmenrichtlinie. Diese Projekte zeigen, dass Verbesserungen auch bei einer intensiv genutzten Schifffahrtsstraße möglich sind und die Sicherheit der Schifffahrt gewährleistet ist.“

Quelle: NABU

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