Italien ist Themenland der BioFach

Die BioFach 2007 in Nürnberg präsentiert Italien – Europas größten Bio-Produzenten – als Land des Jahres. 2.100 Aussteller aus zuletzt 73 Nationen und über 37.000 Besucher aus über 100 Ländern der Erde erwartet die Weltleitmesse für Bio-Produkte vom 15. bis 18. Februar 2007 im Messezentrum Nürnberg.

Ausstellerstärkste Nation nach Deutschland ist seit Jahren Italien. Zuletzt präsentierten 273 italienische Bio-Produzenten und Händler Tausende ihrer begehrten Delikatessen dem kauffreudigen Fachpublikum. Der biologische Landbau hat in Italien lange Tradition. In den siebziger Jahren stellten die ersten Bauern und Kooperativen um und belieferten die neu eröffneten Naturkostläden in Deutschland mit heiß begehrten Orangen, Zitronen, Reis und Bio-Pasta. Zu den Hartweizen-Nudeln gehört natürlich die beliebte Tomatensauce. So entwickelte sich eine Vielzahl von verarbeiteten Tomatenprodukten. Nicht zu vergessen: Olivenöl, am besten extra vergine, das sich bereits früh auf dem europäischen Bio-Markt großer Beliebtheit erfreute. Im Laufe der Jahre entwickelte sich das italienische Bio-Angebot rasant weiter. Ständig wächst die Auswahl an mediterranen Feinkostspezialitäten wie Antipasti, Weinen, edlen Käse- und Wurstsorten oder süßen Delikatessen wie Maronen- oder Feigenmarmelade. Diese finden ihren Weg in immer mehr Fachgeschäfte und Supermärkte in ganz Europa. Bio-Bauern bewirtschaften in Italien rund eine Mio. ha landwirtschaftlicher Nutzfläche. Über 49.500 Unternehmen produzieren, verarbeiten oder handeln biologische Lebensmittel.

Marktwachstum vor allem in Norditalien
Umsatzzuwächse im Handel mit Bio-Produkten verzeichnen momentan eher der wohlhabendere Norden des Landes. Der Süden sowie die Inseln Sizilien und Sardinien haben zwar die höchsten Anteile im Bio-Anbau, noch zeigen aber die Konsumenten nur mäßiges Interesse an Bio-Produkten. Nach Schätzungen des italienischen Bio-Marktexperten Roberto Pinton (Umwelt- und Bioportal
www.greenplanet.net
) betrug der Umsatz auf dem heimischen Markt im Jahr 2005 rund 1,7 Mrd. EUR zuzüglich eines Exportwertes von 700 Mio. EUR. Mit diesen 2,4 Mrd. EUR verfügt Italien über einen der bedeutendsten europäischen Bio-Märkte. Im Vergleich dazu: In Deutschland, dem größten Bio-Markt Europas, lag der Umsatz 2005 bei rund 3,9 Mrd. EUR. Italienische Supermarktketten verzeichnen bei Bio-Produkten moderate Wachstumsraten. Der Fachhandel, darunter etliche Bio-Supermärkte, kann sich sogar über ein zweistelliges Wachstum freuen. Nach Ansicht Pintons halten dabei Naturkostgeschäfte mit 45 % die größten Marktanteile, gefolgt vom konventionellen Lebensmitteleinzelhandel (40 %), Großverbrauchern wie Kantinen oder Mensen (10 %) sowie Direktvermarktern (5 %).

Direktvermarktung überzeugt durch kurze Wege
In Deutschland besitzt die Direktvermarktung von Bio-Bauern ab Hof oder über Wochenmärkte eine lange Tradition. Viele Direktvermarkter begannen schon in den siebziger und achtziger Jahren, als es noch keine ausgebauten Vermarktungswege für Bio-Produkte gab, mit dem direkten Verkauf an den Kunden. In Italien beginnt dieser Bereich jetzt zu wachsen. Auch Bio-Konsumenten schließen sich in kleinen Gruppen zusammen, um gemeinsam bei Landwirten der Umgebung einzukaufen. Unter der Bezeichnung Gas (Gruppi d’acquisto solidali) organisieren die neuen Coops ihren gemeinschaftlichen Einkauf und die Verteilung unter den angeschlossenen Mitgliedern. www.retegas.org vermittelt Adressen von Bauern und Verbrauchergruppen, die an dieser Direktvermarktung beteiligt sind. Inzwischen gibt es auch die ersten Lieferdienste, die einmal wöchentlich einer wachsenden Anzahl von Verbrauchern eine meist standardisierte Kiste mit Obst und Gemüse bringen.

Immer mehr Schulküchen setzen auf Bio
2005 kochten 650 italienische Schulküchen täglich rund eine Mio. Bio-Gerichte. Bereits im Jahr 2000 verabschiedete die italienische Regierung ein Gesetz, das öffentlichen Schulen und Krankenhäusern den Einsatz von Bio-Zutaten in ihren Großküchen vorschreibt. Allerdings waren anfangs wenige Lokalregierungen zu Zuschüssen bereit und Verstöße wurden nicht geahndet. Deshalb dauerte es, bis die Vorschriften umgesetzt wurden. Die Regionen Friaul, Venetien, Toskana und Marken begannen schon zwischen 2000 und 2002 mit der Bio-Schulverpflegung. Die Regierung der Region Emilia Romagna schrieb 2002 fest: Kindergarten- und Schulkinder sollen zu 100 % mit Bio-Essen versorgt werden. Auch Bio-Angebote in Restaurants nehmen zu. Bio-Bank, Herausgeber des jährlichen Branchenverzeichnisses Tutto Bio, hat die Adressen von 250 Restaurants gelistet, die mindestens 70 % der Zutaten in Bio-Qualität verwenden (www.biobank.it). Dazu kommen etwa 700 Angebote für Bio-Verpflegung im Rahmen des beliebten Agro-Tourismus.

Italien steht auf der Gewinnerseite: bei der Fußballweltmeisterschaft 2006 und als Land des Jahres der BioFach 2007. Fußball-Erfolge durch Bio? Auf Empfehlung seiner Mediziner verpflegt der Fußballclub Palermo, in dem vier der neuen Weltmeister spielen, seine Fußballer mit Bio-Produkten.

Neu zur BioFach 2007: Vivaness
Die Weltleitmesse für Bio-Produkte bekommt ab 2007 eine schöne Tochter. Sie heißt Vivaness, Fachmesse für Naturkosmetik und Wellness, und geht mit rund 125 Anbietern hochwertiger Naturkosmetik- und Körperpflegeprodukte erstmals als eigenständige Fachmesse mit deutlich erweitertem Angebot an den Start. BioFach und Vivaness finden künftig immer zeitgleich im Messezentrum Nürnberg statt.

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