Nachhaltigkeit – alter Wein in neuen Schläuchen?

Was heißt eigentlich Nachhaltigkeit?

Diesem Begriff begegnet man seit ungefähr zehn Jahren immer wieder. Dabei scheint jeder etwas anderes darunter zu verstehen. Aber das ist auch notwendig und gut so: Nachhaltigkeit soll es schließlich in allen Bereichen und grenzübergreifend geben.

Offiziell versteht man unter Nachhaltigkeit ein Handeln, das einerseits den Bedürfnissen der jetzigen Generation entspricht, das sich aber andererseits nicht nachteilig auf die nachfolgenden Generationen auswirkt.

Im Januar 2013 gab es den ersten Nachhaltigkeitskongress. In Hamburg trafen sich an die 400 Konkressteilnehmer, um über Konzepte der Nachhaltigkeit in allen möglichen Bereichen zu beraten und zu diskutieren. Die Fachleute tauschten sich aus über aktuelle Trends beispielsweise in den Bereichen Stadtentwicklung, Handel und Mobilität.

Schwerpunkt des Kongresses war das Thema “Die Stadt im Klimawandel – der Mensch im Wertewandel”. In vielen Städten gibt es derzeit Konzepte für ganze Stadtviertel, die bewusst auf mehrere Generationen ausgelegt sind. Bisher war es ja so, dass in den Bezirken am Stadtrand eher Familien lebten, Alleinerziehende, Singles oder ältere Leute hingegen zog es stets mehr in die Innenstädte, wo man eher Gleichgesinnte fand.

Das wird sich laut Stadtplaner die nächsten Jahre etwas verschieben. “Einer für alle, alle für einen” heßt das Motto. Immer mehr Menschen wissen die Vorteile einer bunten Gemeinschaft zu schätzen: da helfen die jungen Kinder den älteren Leuten, den Einkauf die Treppen hochzutragen. Da lesen ältere Menschen jungen Kindern wieder Märchen vor. Immer mehr Menschen ist es wichtig, sich gut mit den Nachbarn zu verstehen und sich gegenseitig auszuhelfen. Gab es bisher vereinzelt Mehr-Generationen-Häuser wird es in Zukunft Mehr-Generationen-Stadtviertel geben.

Der Trend heißt “go local“. Das wirkt sich nicht nur positiv auf die sozialen Beziehungen aus, sondern auch auf die Umwelt. Wenn Metzger, Bäcker und der Frisör nur zwei Straßen weiter arbeiten, lässt man das Auto (wenn man überhaupt noch eins hat) lieber in der Garage.

Eine gesunde soziale Gemeinschaft ist auch laut Hirnforscher Professor Hüther die Basis für eine gesunde Entwicklung unserer Kinder. Noch einmal ein Grund mehr für diese Art der Stadtentwicklung.

Insofern ist hier eine deutliche Trendwende auszumachen, von der die jetzigen Generationen und alle nachfolgenden Generationen profitieren dürften: Nachhaltigkeit wie sie im Buche steht. Ganz so wie früher in der Großfamilie, wo mehrere Generationen unter einem Dach lebten. Nur scheint so eine Stadtentwicklung irgendwie doch moderner zu sein. Weshalb weiß keiner so richtig, aber das ist egal.

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2 Comments

  • Dorian Gray says:

    Vielleicht ist es diese Art der Stadtentwicklung moderner, weil man sich früher unbewusst nicht aus freien Stücken zu solchen Lebensentwürfen entschloss, sondern aus pragmatischen Gründen, die oftmals gar nicht erst reflektiert wurden, als Grossfamilie unter einem Dach existierte. Heute entscheiden wir uns für eine solche Lebensweise nicht unbedingt freiwilliger, denn der Klimawandel zwingt uns unser Leben umzustellen. Aber immerhin sind wir uns dieser Entscheidung bewusst. Modern im Sinne der Aufklärung? Vielleicht eher postmodern, weil man aus den Fehlern der Moderne, die Städte am liebsten mit Autobahnen durchzogen hätte, gelernt hat (angeblich…)?

  • millhaus van drewitz says:

    Also ohne Auto würde ich irgendwie nicht zur Arbeit kommen. Allerdings komme ich vom Dorf und die ganzen “Probleme” eines Städters in seinem Stadtviertel sind mir vollkommen unklar. Ich kenne nicht nur meine Nachbarn, ich kenne das ganze Dorf.
    Aber zum Bäcker komme ich nur mit dem Auto – den der nächste ist 10 km entfernt und Bahn oder Bus gibts nicht – das ist die Realität in Brandenburg und jede Familie in meinem Dorf hat mindestens 2 Autos so wie wir auch! 2 Autos und einen Traktor plus 2 Anhänger ;)

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