Urban Farming 2.0

Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung ausgerufene Wissenschaftsjahr 2012 steht unter dem Thema „Zukunftsprojekt Erde“. Gefördert wird in diesem Rahmen das im April gestartete Forschungsprojekt „Urban Farming 2.0.“ des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung und der Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät der Humboldt-Universität Berlin. Es untersucht, wie urbane Landwirtschaft zu konzipieren ist, damit sie mit minimalen Ressourcen und unter Berücksichtigung der verschiedenen Aspekte zur Nachhaltigkeit in Ballungsräumen beiträgt. Personen aus städtischen Verwaltungen, Stadtplanungen, Stadtgärtnereien, Nachbarschaft und gärtnerischen Initiativen werden mit einbezogen und die Möglichkeiten der urbanen Landwirtschaft ausgelotet. Die Nachhaltigkeitsforschung berücksichtigt so die Wünsche und Potenziale der Beteiligten und lädt alle zum Mitmachen durch verschiedene Aktionen ein. Für die Forschenden sind besonders die Auswirkungen städtischer Landwirtschaft, etwa Nachhaltigkeit, neue Technologien und Anbaumethoden, wichtig.

Landwirtschaft in der Stadt wird in Mittel- und Südamerika schon jahrelang erfolgreich praktiziert. Der 2009 in Berlin-Kreuzberg entstandene Prinzessinnengarten machte die Idee in Deutschland bekannt. Zwei Freunde verwandelten ein verwahrlostes Brachgelände in einen mobilen Bio-Garten, indem sie in große Bäckerkisten Gemüse- und Kräutersamen säten. Kinder, Familien, ausländische Frauen und Männer aus der Nachbarschaft pflegen und gestalten seitdem den Gemeinschaftsgarten. Im kleinen Café werden die Produkte verarbeitet und gemeinsam gegessen. Inzwischen gibt es ähnliche Gärten in mehreren Städten.

In wissenschaftlich begleiteten Modellversuchen werden verschiedene Formen und Methoden erprobt. „Zero Acreage Farming“ etwa untersucht am Beispiel Berlins die Landwirtschaft in, an und auf Gebäuden: Welche Voraussetzungen und Methoden sind nötig, welche Vorteile hat die nachhaltige und wohnortnahe Lebensmittelproduktion unter Einbeziehung vorhandener Ressourcen für alle Beteiligten und wie können Nutzungskonflikte gelöst werden? Dazu werden auch bereits realisierte Projekte in anderen Ländern ausgewertet. Eine schon 1985 entwickelte Methode, Aquaponic genannt, ist auch in Städten praktizierbar. Sie verbindet Fischzucht mit Gemüse- und Obstanbau auf Nährstoffbasis innerhalb eines Gebäudes. Aufgrund des geschlossenen Kreislaufs werden die vorhandenen Nährstoffe optimal verwertet und der Wasserbedarf reduziert sich auf 80 %.

Categories: Flora & Fauna

1 Comment

  • Christian Biewald says:

    Interessanter Ansatz Ballungszentren grüner zu machen. Hätte auch erfreuliche Auswirkungen auf die Logistik. Gütertransport von landwirtschaftlich genutzten Flächen in die Städte würde dadurch reduziert. Passend hierzu ist auch der Ansatz des Urban Mining. Hier werden Abfallprodukte bestmöglich recyclet und in den Herstellungsprozess wieder eingeschleust. Ein Beispiel zur Wiedergewinnung von Kupfer aus Mobiltelefonen findet ihr in meinem Blog SuCess:

    http://sucess-logistics.blogspot.com/2012/05/sucess-toolbox-urban-mining.html

    Grüße
    Christian Biewald

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