Versauerung der Ozeane durch Kohlenstoffdioxid

Der Tierphysiologe Prof. Hans-Otto Pörtner von dem Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung hat entdeckt, dass selbst die Qualität der Ozeane ebenfalls vom CO2 beeinflusst wird. Die enorme CO2-Emission lässt unsere Ozeane zusehends versauern.

Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa steigt der Säuregehalt im Ozean seit Beginn der Industrialisierung kontinuierlich an. Mittlerweile liegt der Wert 30% über dem Ursprungswert. Abgesehen davon hat diese Entwicklung schwerwiegende Folgen für alle im Meer lebenden Lebewesen und das gesamte Ökosystem.

Die Menge des CO2 verändert auch die Meere. Das Kohlenstoffdioxid ist wasserlöslich. Dabei entsteht Kohlensäure. Dabei ist auffällig, dass der Grad der Versauerung am Äquator weitaus geringer ist als in den Polarregionen. Nach Aussagen Pörtners veränderte sich der Säuregehalt, also der pH-Wert, seit der Industrialisierung um ungefähr 0,1 Einheiten.

Noch vor wenigen Jahren wurde über die Möglichkeit debattiert, Massen von CO2 in den Ozean zu leiten. Wissenschaftler waren der Ansicht, dass die Meere als Kohlendioxid-Speicher genutzt werden könnten. Das Ausmaß der Versauerung war zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt. Durch das schrittweise Absenken des pH-Wertes hat eine sinkende Karbonatsättigung zur Folge. Um dem entgegen zu wirken, muss Kalziumkarbonat gelöst werden. Als Quelle hierfür dienen die Kaltwasserkorallen. Das Korallensterben ist die Folge. Von der Versauerung sind ebenfalls Seesterne, Muscheln, Seeigel und Eier und Larven diverser Meeresbewohner betroffen.

Daneben sind wir Menschen ebenso von der Versauerung betroffen. Korallenriffe sind Heimat zahlreicher Fischarten. Der Mensch bezieht einen großen Teil seiner Nahrung aus dem Meer. Mit dem Korallensterben geht demnach immer ein Fischsterben einher. Zudem schützen Korallenriffe die Küsten vor Tsunamis und dienen als Touristenmagnet.

Seit Bestehen der Erde kam es immer wieder zu Veränderungen des CO2-Wertes in der Atmosphäre und parallele dazu verlaufende Veränderungen in der chemischen Zusammensetzung des Meeres. Eine Begleiterscheinung war das Massensterben zahlreicher Lebewesen wie vor etwa 55 oder 250 Millionen Jahren. Dies wurde in der Regel immer von natürlichen Ereignissen wie Klimawandel oder Vulkanismus ausgelöst. Neben einem erhöhten CO2-Gehalt herrschte auf der Erde Sauerstoffmangel oder extreme Temperaturen.

Zwischen den vergangenen Kalt- und Warmzeiten war es für die Natur möglich, sich durch langsame Veränderungen an die Gegebenheiten anzupassen. Somit sind diese Vorgänge durchaus normal. Der Mensch hat sie jedoch seit der Industrialisierung um ein Vielfaches beschleunigt. Der Wissenschaftler Pörtner spricht gar von einer 100-fach schnelleren Entwicklung. Als vor Millionen Jahren das Massensterben einsetzte, herrschten vergleichbare Zustände vor.

Zur Zeit findet in Bremerhaven eine Tagung zu dieser Problematik statt. Aus drei europäischen Forschungsprojekten nehmen 200 Wissenschaftler daran teil. An diesem Donnerstag, dem 30.10., wird die Veranstaltung enden.

Weiterführende Links:

http://www.klimaretter.info/forschung/hintergrund/7083-interview-zur-versauerung-ozeane-awi

Categories: Energie & Klima

3 Comments

  • Jan says:

    Das Ökosystem Meer wird besonders von der Wirtschaft nicht richtig verstanden und Probleme leider unter den Teppich gekehrt. Wohin das führt? Vielleicht zu einer Selbstregulierung des Klimas wovon der Mensch dann der Leidtragende sein wird.

  • Michi says:

    Hab erst letzte Woche einen Bericht über das Korallensterben im TV gesehen, es ist schlimm. Aber es wird meist todgeschwiegen. Auch das qualvolle Fischsterben durch Sauerstoffmangel wurde gezeigt. Scheinbar glauben die Unternehmen das Meer hält alles aus, dem ist jedoch nicht so. Oder es ist ihnen, wie ich tippe, schlicht egal. Nur der Provit zählt.

  • Torsten says:

    Es ist einfach immer wieder erschreckend, wie der Mensch leichtfertig mit der Umwelt umgeht! Wann begreifen wir endlich, dass wir von der Natur abhängig sind?

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